Altbewährtes neu entdeckt.

Es schreibt ein Wählergruppenmitglied der Stadtratsfraktion DIE JUNGEN.

In der Woche arbeitstätig und voller Bedenken, welche Folgen der tägliche Konsum von Kioskessen für die Figur und die Geldbörse hat (deswegen gibt es das nur ausnahmsweise), versucht man als junges Elternteil an den Wochenenden zu kochen.

Wochenende gegen 11 Uhr. Nach gefühlten 100 Rufen wie „Mama, guck mal! Mama, spiel mit mir! Mamaaaaaaa!“ versucht man nur noch einen goldenen Mittelweg zwischen gesunder Ernährung und Highspeedkochen zu finden. Dass nun aber kein Thüringer Kloß mit zarter und außen knuspriger Gänsebrust auf dem Tisch stehen, sollte klar sein.

Einige Zeit stört einem die Abstinenz von Omas Essen nicht, doch hat man Freundinnen (liebevoll Hühner genannt), die scheinbar permanent vom perfekten Kloß reden, tropft irgendwann der Zahn. Da ein Huhn zudem durch ihre berufliche Tätigkeit ein Sammelsurium an Empfehlungen für die besten Kneipen im Landkreis aufweist, entschieden wir uns kurzerhand ungefähr einmal im Monat in eine „Dorfkneipe“ zu gehen.

Die erste Kneipe, was sich im Nachhinein als „Fehler“ heraus stellte, war die Gaststätte „Zum Eichberg“ in Sommersdorf bei Gräfenthal.

Eine Woche vorher reserviert, sagte uns die ältere Bedienung ohne jegliches Lächeln, dass sie keinen Platz für uns hätten. Zum Glück drängelte sich eine jüngere, freundliche Bedienung in das Gespräch und zeigte uns, dass wir willkommen sind.

Um die Ecke kam die Überraschung. Ein voller Saal voller älterer Menschen. Nun war uns klar, warum die ältere Dame uns mit unseren im Durchschnitt 30 Jahren befremdlich fand. Sicherlich für beide Teile eine neue Erfahrung. Denn wann kommen junge Städter aufs Dorf essen?

Aber dann Platz genommen, die rasche aber doch sehr karge Bedienung erstmals „überstanden“, kamen gefühlt sofort die Getränke und auch das Essen. Klöße, Rotkohl und Soßen im Überfluss und das alles nachbestellbar. Die Gänsebrust – wahrlich perfekt. Zart und knusprig zugleich. Würzig, aber nicht scharf. Soßen und Rotkohl wie man sie von Oma kennt. Der Kloß, leider der Grund, warum man sich nun „ärgert“, dass Sommersdorf als erstes anstand. Er war einfach ein Traum! Aber wir sehen es positiv und sind nun auf der Suche nach einer Kneipe, die diesen toppt. Bis jetzt ohne Erfolg!

Insgesamt war dieser Ausflug der wohl bis jetzt amüsanteste. Vom Saal, der einen förmlich zurück in die 80er Jahre versetzt, der schroffen Bedienung, deren Art wahrscheinlich jeder aus seiner Kindheit kennt, bis zu den Bildern aus längst vergangen Tagen, auf denen eine alte Dame den Kloßteig rührt, war es ein perfekter Tag, an dem wir uns in unsere Vergangenheit zurück versetzt gefühlt haben. Und gerade die vermeintlichen negativen Dinge machten den Tag perfekt – irgendwie war es damals bei uns zu Hause auch so. (DJ)

 

Mitglieder der Saalfelder Wählergruppe DIE JUNGEN werden künftig in unregelmäßigen Abständen über Ihre Erfahrungen in und um Saalfeld berichten. Die Erfahrungen unserer Mitglieder bringen wir natürlich in unsere Arbeit ein.