Die regionale Wirkung eines Aussichtsturms?

Mit dem Regionalbudget fördert das Land Thüringen bestimmte Regionen im Freistaat, um dort gezielt die heimische Wirtschaftsstruktur zu verbessern. Hier bei uns ist das Städtedreieck (Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg) Förderregion. Für die Jahre 2014, 2015 und 2016 dürfen pro Jahr 300.000 Euro im Städtedreieck investiert werden. Diese zusätzlichen Finanzen können für Projekte eingesetzt werden, die (siehe Quelle Thüringer Staatsanzeiger) ausgerichtet sind auf:

• Verbesserung der regionalen Kooperation

• Mobilisierung und Stärkung regionaler Wachstumspotenziale

• Marketing für die Region

• Verbesserung der Fachkräfteversorgung

Brauchen wir deswegen einen Turm?

Da sich die Verantwortlichen im Städtedreieck nicht auf ein Förderprojekt verständigen konnten, darf jetzt jede der drei Städte einmal die 300.000 Euro investieren. Im Jahr 2014 ist Saalfeld dran. Für diese Investition ist aus der Presse ein Vorschlag sehr bekannt, ein Aussichtsturm auf der Gartenkuppe weit oberhalb der Feengrotten. Die freie Wählergruppe DIE JUNGEN ist nicht davon überzeugt, dass ein Aussichtsturm die regionale Wirtschaftsstruktur nachhaltig stärkt, von der regionalen Wirkung ganz zu schweigen. Es werden Folgekosten entstehen, ob für die Stadt oder für Sponsoren. Und ob so ein Aussichtsturm mehr Besucher anlockt, ist ebenso fraglich.

In der Stadtratssitzung vom Mittwoch, dem 16.04.14 stellten DIE JUNGEN von der Gästebank aus folgende Fragen.

  • Unserer Wählergruppe und den 30 Kandidaten für die Stadtratswahl ist es besonders wichtig, Nachwuchs in unserer Region zu halten. Wäre es denn nicht möglich, mit dem Regionalbudget eine Berufsorientierungsmesse zu fördern bzw. Schüler bei der An- und Abreise zu unterstützen? Ist eine solche Förderung genehmigungsfähig (Verbesserung der Fachkräfteversorgung)?
  • Ein gutes Marketing für unsere Stadt und somit auch für die Region ist z.B. das 100jährige Jubiläum „Feengrottenstadt Saalfeld“. Ist es möglich, die Festveranstaltung zu fördern (Marketing für die Region)?
  • Eine weitere Anfrage bezieht sich darauf, dass derzeit nicht genug kreative Vorschläge vorliegen, um eine gute Entscheidung zu fällen. Wäre es nicht sinnvoll zu prüfen, ob Saalfeld nicht mit RU oder BB tauschen kann, um Zeit zur Ideenfindung zu gewinnen?

Der Stadtratsvorsitzende bedankte sich für unsere Anfrage und antwortete knapp, dass immer, wenn es andere Fördermöglichkeiten gibt, dürfe das Regionalbudget nicht angewendet werden. Eine Verschiebung bzw. ein Tausch mit Rudolstadt oder Bad Blankenburg sei möglich aber schwierig, fügte der Bürgermeister an. Leider wurde das nicht weiter mit Fakten untersetzt. Uns hätte sehr interessiert wie denn die Festveranstaltung „Feengrottenstadt Saalfeld“ anderweitig förderfähig wäre und warum es nicht geklappt hat. Ein solches Marketingpaket würde der Tourismusbranche mehr helfen, als der größte Aussichtsturm.

Die Stadträte diskutierten noch über einen eigenen Vorschlag aus ihren Reihen: einen erweiterten Caravanstellplatz an den Feengrotten. Vielleicht als willkommenen Schlusspunkt unter die von uns angestoßene Debatte gab uns plötzlich die Vorsitzende der LINKE-Fraktion recht, man müsse genau prüfen, wofür das Geld ausgegeben werde. Das hörte sich fast wie eine Verschiebung des Stadtratsbeschlusses über den Bau des Turmes in die nächste Legislaturperiode nach den Wahlen am 25. Mai an. Das wäre in unserem Sinne, denn dann könnten wir als ordentliche Stadtratsmitglieder den Faden wieder aufnehmen und ganz anders in die Diskussion einsteigen. Mit unserem frischen Wind verspüren wir jetzt die Aussicht auf einen Turm ohne Aussicht.

gez. O. Grau