Nachwuchssorgen – wirklich?

In sämtlichen Pressepublikationen höre ich immer vom sogenannten Fachkräftemangel oder gar Nachwuchsschwierigkeiten in vielen Unternehmen. Jetzt muss ich leider feststellen, dass die Realität teilweise ganz anders aussieht! Aber lasst mich von vorn anfangen…

Nach erfolgreich abgeschlossener Facharbeiter-Ausbildung in der Logistik-Branche direkt in Saalfeld folgte eine kurze Phase zum Sammeln von Berufserfahrung. Der Ruf nach beruflicher Weiterbildung wurde für mich immer lauter: Eine Qualifizierung zum Fachwirt sollte die eigenen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und die Chance auf persönliche Karriere um ein Vielfaches erhöhen. Ein neuer deutscher Qualifikationsrahmen stellt sogar einen Fachwirt mit einem Bachelor auf die gleiche Qualifikationsstufe. Also absolvierte ich die Schule zum Verkehrsfachwirt nebenberuflich und beendete diese erfolgreich Mitte dieses Jahres während einer längeren Krankheitsphase.

Danach begab ich mich hoffnungsschwanger auf die Suche nach meinen „Möglichkeiten und Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ und diese aufgrund der Heimatverbundenheit im direkten Umkreis von Saalfeld, aber natürlich auch zur Chancenerweiterung im Tagespendelbereich bis in die Großräume Erfurt und Jena.

Inzwischen habe ich nach genau 136 Bewerbungen in den verschiedensten Firmen einen guten Einblick in den regionalen Arbeitsmarkt bekommen: Absagen ohne persönliche Kontakte, die üblichen Floskeln der vorgeschobenen „betrieblichen Gründe“ einer „leider“ verhinderten Einstellung. Glatt die Hälfte der Unternehmer hatte nicht einmal die Zeit, auf meine Bewerbung zu antworten. Ist das die nachwuchsproblemlösende Unternehmenskultur der Neuzeit?

In einem speziellen Fall wurde mir sogar schon der Entwurf eines Arbeitsvertrages zum Korrekturlesen mit nach Hause gegeben. Also mussten nur noch die Unterschriften von Unternehmensseite und dann von mir den Einstieg besiegeln. Jedoch kam es auch in diesem Fall nicht zum „Happy-end“. Wenige Tage vor Beginn des geplanten Arbeitsverhältnisses folgte auch hier die Absage aufgrund von besserer Eignung einer anderen Person gegenüber meinen Qualifikationen.

Was bitteschön ist hier los?

Ein Fachkräftemangel sieht für mich definitiv anders aus. Entweder sucht eine Firma nach Personal, um die Zukunft ihres Unternehmens grundsätzlich zu sichern oder sie lässt es einfach. Zu meinem persönlichen positiven Ende fand ich absolut zufällig. Auf der Hochzeit von guten Freunden knüpfte ich familienintern neue Kontakte und fand so – welch großes Glück – den Weg zurück ins tägliche Arbeitsleben, natürlich auch im Rahmen meiner neuen Qualifikationen sehr zufriedenstellend.
Geht es denn heute wirklich nur noch über Beziehungen, einen gut bezahlten Job zu finden? Ich meine, wenigstens im Berufsalltag sollte die Definition von „Nachwuchs“ doch auch über bisherige Unternehmensgrenzen hinaus erweitert werden. Leider hilft in der heutigen Zeit wohl oftmals nicht einmal der Bekanntheitsgrad mit Mitarbeitern im Unternehmen. Voraussetzung ist wohl doch häufig nach wie vor das Verwandtschaftsverhältnis.

Trotz des für mich positiven Ausgangs stimmt mich die aktuelle Situation auf dem Thüringer Arbeitsmarkt durchaus nachdenklich. Und das bei dem Rückgang der Einwohnerzahlen in Thüringen…   (AK)