Verblüht

Die Spatzen riefen es bereits von den Dächern: Die Landesgartenschau 2024 macht einen großen Bogen ums Städtedreieck. Auf die offizielle Bestätigung seitens der Landesregierung wird wieder mal gewartet.

Warten durften auch alle Bewerberstädte seit September vorigen Jahres auf einen Zuschlag. Leinefelde-Worbis wird nun die LGS 24 ausrichten dürfen. Für die Doppel-Stadt heißt es nun: rann an den Speck auf „Gedeih oder Verderb“. Nun ist auch meine Meinung hinlänglich bekannt – speziell für unsere Situation hier im Dreieck – und ich mache keinen Hehl daraus. 48.553, 76 Euro waren es, die die Stadt Saalfeld anteilig für das Bewerbungsverfahren aufbringen musste. Das entspricht ein volles Jahr der Bezuschussung zur Schülerspeisung, um es mal deutlich zu machen. Natürlich kann man sich über den Sinn und Zweck einer Landesgartenschau trefflich streiten, was wir auch taten. Synergien, Investitionen oder Subventionen: ganz gleich, ein Spiel mit Millionen Steuer-Euro wäre gewiss.

Oft als „Gemeinschaftsprojekt“  propagiert, klemmt’s im Städtedreieck an einigen Ecken und Kanten. Die frommen Gedanken in einigen Köpfen konnte ich mir lebhaft ausmalen: „Nutzen wir doch die Landesgartenschau u.a. als ein gemeinsames Projekt, um einige Gräben zwischen den Städten zu kitten.“ Aber sind wir doch mal ehrlich! Ist es wirklich verantwortungsvoll, mit Geldern unserer Bürgerinnen und Bürger zu hantieren aufgrund vorangegangenen Unvermögens und Neides? Einige Gräben kommen nicht von ungefähr, und teilweise sind die Verantwortlichen längst nicht mehr am Start. Wie wäre es, wenn das Städtedreieck endlich seine Hausaufgaben macht, Wahlkämpfer lieber die Klappe gehalten hätten und wir uns zukünftig auf Augenhöhe begegnen würden?

Wie wäre es mit einem detaillierten und gemeinsamen Veranstaltungskalender? Sich enger miteinander zu „verzahnen“ bedeutet nicht, dem anderen das Wasser abzugraben! Was ist mit dem „Gemeinsamen Ausschuss des Städteverbundes Städtedreieck am Saalebogen“? Was macht dieser Ausschuss, der längst nicht mehr alle Einwohner repräsentieren kann, weil viele Fraktionen gar nicht an ihm teilnehmen können? Allein in Saalfeld klotzen 3 Fraktionen mit 6 Mitgliedern in die Röhre! Das sind 20 Prozent der zu repräsentierenden Bürgerinnen und Bürger. Und dass gute Ideen nicht immer aus den größten Fraktionen kommen müssen, zeigt meine Fraktion seit 4 Jahren. Auch hier kann und (müsste) man umdenken.

Versuchen wir mit Augenmaß bei gegenseitigem Respekt und Vertrauen unsere Hausaufgaben endlich zu bewältigen. Versuchen wir, uns enger miteinander zu „verzahnen“ über Kunst und Kultur oder dem Sport. Wie wäre es mit einer gemeinsamen und symbolträchtigen Fußballmannschaft? Auch Sport verbindet und überwindet Grenzen sowie (Hirn-) Schranken. Es liegen eine Menge Ideen noch brach – aber dazu braucht es keine riskanten Millionenspielchen.

Bereits in meiner Antrittsrede im Saalfelder Stadtrat vom Juni 2014 sprach ich davon, das Rad nicht neu erfinden zu wollen. Als viel wichtiger erachte ich, eingefahrene Strukturen (alte Latschen) zu erkennen und „neuzudenken“. Denn nicht immer ist alles richtig, was schon „immer“ so gemacht wurde. Und: Hören wir auf mit dem Spiel „Des einen Freud, ist des anderen Leid“! Begegnen wir uns in Partnerschaft! Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.

Euer

Eric H. Weigelt

Fraktionsvorsitzender „DIE JUNGEN“