Warum jede NEIN-Stimme dem FMZ hilft!

Mit großem Interesse beobachten wir die Diskussion um das geplante Fachmarktzentrum am Bahnhofsareal. Bereits Anfang Oktober hatten wir uns in unserem Beitrag „Fachmarktzentrum? Allein es fehlt der Glaube…“  dazu geäußert. Seitdem kamen jede Menge neue Informationen dazu.

Es ist plötzlich die Rede von einem Skaterpark, Dachgarten und einem Spielplatz. Ein roter Teppich mit Rast und Kunststationen der in die Innenstadt führen soll. Handel+X lautet plötzlich das neue Konzept. Möglich sei Platz für Schulen, Wohnungen, Ärzte, Gesundheits- bzw. Therapiemöglichkeiten. Für die Innenstadt wichtige Frequenzbringer wie Lebensmittelmarkt und Drogeriemärkte sollen, vertraglich fixiert, erhalten werden können. Begrenzte Parkzeiten wie am P+R Parkplatz und in der Innenstadt.

Es soll plötzlich so viel möglich sein, von dem vorher nicht einmal im Entferntesten die Rede war. Aber woher kommen plötzlich diese Möglichkeiten?

Im Februar 2014 lag im Stadtrat schon die Beschlussvorlage zum Fachmarktzentrum vor. Ein riesiger Baukörper (Mall/Galerie-Lösung) mit ca. 12.000qm reine Einzelhandelsverkaufsfläche sollte abgesegnet werden und zwar ohne das groß über Inhalte gesprochen wurde. Einige Stadträte fassten sich ein Herz und erzwangen ein Patt und ermöglichten erst so die aktuellen Diskussionen und Möglichkeiten. OTZ: Stadtrat stoppt Projekt für Fachmarktzentrum am Bahnhof

Nach genauem Betrachten des Einzelhandeslgutachten 2009, dem Landesentwicklungsplan des Freistaates Thüringen, der Aussagen des Landesverwaltungsamtes und mit Blick auf bisherige Projekte des Investors, fällt es uns schwer nachzuvollziehen warum diese Entscheidung überhaupt so knapp war.

Von den Stadträten die seit 2008 jeden Beschluss zum Bahnhofsareal durchgewunken haben und die auch im Februar 2014 für die Mall-Lösung waren, kamen die neuen Gestaltungsideen nicht. Diese sind einzig und allein aus der öffentlichen Diskussion und vor allem aus der Kritik an den FMZ-Plänen entstanden. Auch die Tagespresse leistete nicht den größten Beitrag zur Ideenfindung.

Auf Nachfrage bei der Wirtschaftsförderagentur erhielten wir folgende Antwort: „In den letzten Jahren gab es etliche Anfragen bezüglich Gewerbe- und Industriegrundstücken von Unternehmen, die sicher auch an dem Standort am Bahnhof verträglich gewesen wären. Diese Unternehmen stammen hauptsächlich aus dem Dienstleistungssektor, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Forschungs- und Entwicklungssektor. Das Bahnhofsareal konnte seitens der Wirtschaftsförderagentur nicht beworben werden, da die Stadt Saalfeld nie in Aussicht stellte, an besagtem Standort ein Gewerbegebiet zu entwickeln. Demzufolge haben wir unsere Aktivitäten auf andere Gewerbe- und Industriegebiete fokussiert.“

Wir stellen fest, dass es offensichtlich keine ernsthaften Versuche gab am Bahnhofsareal alternative Ideen zum Einzelhandel zu entwickeln. Obwohl der Kaufpreis noch nicht geflossen ist, seien die Grundstücke verkauft, heißt es auf der Auftaktveranstaltung zum bürgerschaftlichen Dialog am 25.11.2014 im Meininger Hof.

Frei nach dem Motto: „Der Investor wird es schon richten und schön machen.“ Wer glaubt eigentlich, dass ein Investor ein HERZ für unsere oder irgendeine fremde Stadt haben könnte?? Offensichtlich glauben das einige Würdenträger Saalfelds und manchmal hat man den Eindruck, die Tagespresse glaubt das auch. Kommentar der Tagespresse

Unser persönliches Gespräch mit dem Investor und auch mit der FIRU mbH (übrigens sehr angenehme und sachliche Gespräche), bestätigten das, was man auf der Internetseite herausliest und auch im Saale-Info-Kanal Interview heraushört. Die Saller Bau GmbH ist der Bauherr am Bahnhofsareal, sonst keiner. Jedoch zeigt sich der Investor offen für alternative Nutzungsideen. Das gesamte Bahnhofsareal muss nicht aus 100% Einzelhandel bestehen. Er will vermieten, Geld verdienen eben.

Übrigens, wenn es schon ein Lebensmittelmarkt als Ankermieter sein muss, warum dann nicht „denn`s Biomarkt“? (Link) REWE, EDEKA etc. haben wir doch schon.

Über 300 solcher Immobilien gehören zur Saller-Gruppe. Der Investor dürfte aus Erfahrung mit anderen Städten, die Sorgen und Nöte der Saalfelder mehr verstehen als vielleicht manch Würdenträger. Trotzdem ist er Geschäftsmann, je billiger der Bau, je größer die Miete, umso besser für den Investor. Ganz egal wie es dem Städtchen damit geht.

Daher kam auch erst Bewegung in die Sache als die Gegenstimmen immer lauter wurden und als auf die vielen unbeantworteten Fragen hingewiesen wurde, eben als der Finger in der Wunde lag. Siehe Album Leerstand Saalfeld.

Wir wollen keinen Wellblechpalast mit Discountern die wir schon haben!

Mit einer NEIN-Stimme verhindern wir Saalfelder ein Standardeinkaufszentrum mit Discountern die schon vorhanden sind, fördern aber weitere Entwicklungs- und Gestaltungsideen für ein besseres Fachmarktzentrum.

Das Einzelhandelsgutachten von 2009, der Landesentwicklungsplan des Freistaates, die Aussagen des Landesverwaltungsamtes aus Dezember 2014 und der Blick auf bisherige Projekte des Investors weisen uns Saalfelder auf klare Risiken hin. Wir positionieren uns nicht gegen Investitionen und sehen auch die Chancen, fordern aber auf Grundlage aller Informationen und Fakten eine ernsthafte Diskussion zu Alternativen und Kompromissen am Bahnhofsareal. Um das zu erreichen, stimmen wir mit NEIN zu einem reinen Einkaufszentrum.

DIE JUNGEN, 02.02.2015